russia


area: 17,075,200 sq km
population: 143,782,338
km total:
days:
Ø km/day:

 



polizeikontrolle bei sambal

Sonntag 07

Sonntag 07.07.2002               107.Tag

 

Valerie in Rostov

 

Gut gelaunt wachen wir auf, da es, laut Strassenschildern nur noch ca. 60 km nach Rostov sind. Die schaffen wir relativ locker, koennen Michael Rebrov, unseren Kontaktmann, treffen und uns dann eventuell schon um unsere Raeder oder Artikel kuemmern. Natuerlich traf all dies nicht ein. Als wir in Rostov einrollten hatten wir 90 km auf dem Tacho und einen unglaublichen Gegenwind bzw. Gegensturm hinter uns. So etwas haben wir auf der ganzen Fahrt noch nicht erlebt. Laut Karte sollte die Strasse an der Kueste entlanggehen, also dachten wir, „O.K. das ist schoen, dann wird es nicht so huegelig und wir kommen flott voran“, dass aber ein neunprozentiger Anstieg den naechsten jagen wuerde, davon stand nichts in der Karte. Schwamm drueber, jetzt sind wir ja in Rostov angekommen, doch als wir uns mit Michael Rebrov, welcher fuer den Austausch Dortmund-Rostov extra bei der Stadt angestellt ist, spaeter trafen waren wir etwas verduzt, dass er bis jetzt noch nichts organisiert hat, zwecks Uebernachtung, obwohl er uns in vorherigen Telefonaten mitteilte, dass dies kein Problem sei, da man ueber die Sportvereine da schon was organisieren koenne. Er verliess uns mit den Worten,“ Das Hotel Rostov ist ziemlich guenstig und mit den Raedern gibt es dort auch keine Probleme“. Nach mehrmaligem Nachfragen was ziemlich guenstig bedeutet, meinte er 10 €. Als Notloesung koennen wir das machen, dachten wir uns und verabschiedeten uns von diesem sehr kurz angebundenen Herren, der uns irgendwie ziemlich im Regen stehen liess. Wir hoffen nur wenn jemand von Rostov nach Dortmund mal mit dem Rad fahren will, wird er anders untergebracht. Wie dem auch sei, wir radeln also mit seiner Visitenkarte in der Hand in Richtung Hotel Rostov. Die Uebernachtung soll dann 50 € kosten und fuer die Raeder haben sie natuerlich auch keinen Platz. Super, zum Glueck fiel uns noch eine total nette Familie ein, die wir vor zwei Stunden zufaellig getroffen haben. Sie sprachen sehr gut deutsch wollten uns sofort weiterhelfen. Leider war dies vor zwei Stunden, als wir noch guter Hoffnung zu Michael Rebrov gefahren sind. Wir fuhren also auf Verdaccht zu einer kleinen Kirmes, da die Familie noch zwei Kinder dabei hatten. Unglaublich aber wahr, wir fanden diese Familie sofort und sie konnten diesen Herrn Rebrov auch nicht so richtig verstehen und schaemten sich fast schon ein wenig fuer ihn. „ Kein Problem, Jungs, fuer ein, zwei Naechte koennt ihr bei uns unterkommen“, sagte Valeri. Na das war ein Wort und wir waren heilfroh, dass diese Geschichte noch so gut ausgegangen ist.

 

Tkm

95.91

Zeit h netto

5.44

Æ-km/h

16.7

km/h max

53.2

km ges

5975

Wind

ççç

Straßenbelag

2-

Profil

ìî

Temp ° C

32

Stimmung

3

Defekte

%

 

 

Stationen:Matveev Kubgan, Rostov na Donje

 


kriegsdenkmal bei sambal



schlafplatz in rostov

Montag 08

Montag 08.07.2002               108.Tag

 

Pausentag in Rostov

 

Mit Valeri und seiner Familie hatten wir also ein weiteres Mal Glueck. Normalerweise leben sie in Bad Hersfeld sind Russlanddeutsche aus der Gegend bei Omsk und besuchen nun ihre Verwandtschaft in Rostov. Sie nehmen uns wie langjaehrige Freunde auf und klaeren uns ein wenig ueber die Lebensumstaende in Russland auf, was uns schon ein wenig zu denken gibt.

Valeri hatte in Sibirien 64 Hektar Land zu bewirtschaften, Tiere heranzuziehen und an allererster Stelle steht natuerlich die Arbeit fuer den Staat, denn wenn man die verweigert macht man sich strafbar und kommt ins Gefaengnis. Sein Tag sah damals so aus, dass er um 6.00 Uhr morgens aufstand gearbeitet hat, um 3.00 Uhr morgens wieder ins Bett ging, um dann am um 6.00 Uhr wieder von seiner Frau zur Arbeit geweckt zu werden. Wir dachten das sind alte Stalingeschichten, doch Valeri versicherte uns, dass sich bis zum heutigen Tag dort nichts geaendert hat und dass es einigen Menschen dort immer noch so ergeht. Hier in Rostov sieht es schon ein wenig zivilisierter aus, doch speziell Victor, dem das Haus gehoert in dem wir naechtigen, kann absolut nicht verstehen warum man mit dem Rad um die Welt reisen muss. Als wir ihm erklaeren, dass wir dies aus freien Stuecken tun und auch keinen grossen Sponsor haben, versteht er die Welt nicht mehr. Victor war 1977-79 beim Militaer und diente zu diesem Zeitpunkt auch in Kasachstan. In Kasachstan wurden zu diesem Zeitpunkt eigentlich fast alle Atomtests der Sowjetunion durchgefuehrt, auch deshalb hat Victor jetzt einen Behindertenausweis, wobei die Rente noch nicht mal fuer die Medikamente reicht, die er nun braucht. Er sagt einmal hat es Steine vom Himmel geregnet, nachher stellte sich heraus, dass nur 100 km von seiner Kaserne Tests durchgefuehrt wurden. Freiwillig wuerde er nie im Leben nach Kasachstan fahren, auch deshalb kann er uns nicht verstehen. Was er von Gorbatschow haelt wollen wir wissen. Seine Antwort“ Als das mit Tschernobyl passierte, musste ich auch da hin, wenn ich mich geweigert haette, waere ich wohl heute noch im Gefaengnis. Also, eine richtige Wahl hatte ich nicht, und wer war da Praesident? Es war der Gorbatschow, den die Deutschen so lieben! Gewarnt vor den Gefahren wurde nicht und auch Schutzanzuege waren Fehlanzeige.“ Dennoch wirkt Victor auf uns so, als koenne er alles verdraengen und  strahlt auf uns eine unglaubliche Lebensfreude aus. „Diesen Urlaub werde ich nie vergessen, ich habe zwei Deutsche kennengelernt, die mit dem Rad um die Welt fahren. Ich haette im Leben nicht gedacht, dass so was moeglich ist.“

Einkaeufe, Internet, Radreparaturen und Krebse essen werden an diesem Tag einfach verstaendlicherweise zur Nebensache.


krebse kochen in rostov, valerie und seine familie sind perfekte gastgeber



schlafplatz schachti

Dienstag 09

Dienstag 09.07.2002             109.Tag

 

Fluessige Strassen

 

Frueh morgens gehte es ins Internetcafe um die erlebten Dinge zu verschicken. Erstaunlicherweise ist das Netz unglaublich schnell, vielleicht liegt es an den ISDN Plakaten an den Waenden. In einem Buchladen wird noch schnell ein russisch-deutsch Woerterbuch gekauft, dann werden die Sachen gepackt und auf geht’s fuer uns. Fuer Valeri und Familie zum kuehlen erfrischenden See, fuer uns ab auf die Hauptstrasse zwischen die LKWs in die Mittagshitze. Ein neues Getraenk haben wir auch fuer uns entdeckt. Es nennt sich Kwas. Mittlerweile haben wir auch herausgefunden, dass es aus Brot Hefe Zucker und Wasser besteht. Auf jeden Fall ist es nicht suess und sehr erfrischend. Auf der Hauptstrasse kommen wir gut voran, doch die Lautstaerke der LKWs und Autos macht uns ganz schoen zu schaffen. Speziell die LKWs machen uns ein wenig Sorgen, denn sie sind meistens so mit Schrott beladen, dass dieser an der Seite schon wieder herunterfaellt. Auch bei doppelter Bereifung reiben diese schon aneinander, wir wundern uns auch schon nicht mehr warum jeden Kilometer jemand an seinem Auto oder Lkw herumwuselt. Allerdings sind die Belastungen fuer Mensch und Maschine auch ziemlich hoch. Die Strasse ist aufgeweicht, man kann die Spur der Raeder sehr gut zurueckverfolgen, die Reifengeraeusche hoeren sich an, als ob man durch Regen faehrt und als ob dies nicht genug waere duerfen wir dann noch circa zwei Kilometer durch Rauch fahren, da direkt neben der Strasse ein Feld gerade abfackelt. Man merkt richtig wie die Muskeln nicht mehr genug Sauerstoff bekommen, da man natuerlich anfangs versucht die Luft anzuhalten, dann aber die Beine sauer werden und man den Rauch ganz normal einatmet. An einem kleine Imbiss an der Strasse steht ein Grill und wir belohnen uns nach den Strapazen mit einem Steak, welches uns danach allerdings ziemlich schwer im Magen liegt. Unser Koerper hat sich wohl an leichtere Kost gewoehnt. Wir schlafen bei alter Omi mit Sohn bei Schachti. Wollen im Zelt schlafen, doch sie besteht darauf, dass wir im Haus schlafen. Wir kaufen Bier und wollen es mit ihrem Sohn trinken. Doch die Omi bittet uns instaendig, dies zu nicht zu tun, wir verstehen zwar nicht wieso, vermuten aber, dass er Alkoholiker ist. In unserem Raum gibt es viele Muecken. Quincy wird wie fast immer in Ruhe gelassen, doch Steppe zieht es um 4.00 Uhr morgens nach draussen um. Ein ganz nettes Foto von Steppes ganz eigenem Mueckenschutz ist beigelegt.

 

Tkm

97

Zeit h netto

4.55

Æ-km/h

19.71

km/h max

62.6

km ges

6072

Wind

ç

Straßenbelag

2-

Profil

è

Temp ° C

33

Stimmung

2-

Defekte

%

 

 

Stationen: Rostov, Schachti      


steppes spezialschlafplatz schachti



schlafplatz belakalitva

Mittwoch 10

Mittwoch 10.07.2002            110.Tag

 

Steppes Magen murrt und Quincys Speichen brechen weiter

 

Omi macht total leckeres Fruehstueck, bestehend aus Spiegeleiern, Brot, Kartoffeln und Knoblauch. Normalerweise ( in Deutschland, stehen wir ja mehr auf Muesli), doch hier koennen wir mal eine Ausnahme machen. Koennen relativ frueh starten und kommen in den seltenen Genuss der Morgenkuehle. Wir haben mal auf die Karte geschaut und koennen abseits der Autobahn ca. 60 km sparen. Die Russen haben hier auch gespart und zwar am Asphalt. Die Strasse besteht nur noch aus Loechern und einer Sandpiste neben der eigentlichen Strasse. Diese Piste wird bevorzugt von LKWs befahren, sodass es dann dermassen staubt, dass wir ueberhaupt nichts mehr sehen. Sind mal gespannt, wie lange wir noch durch die Kratzer auf der Oakley noch was erkennen koennen. Vor einem kleinen Supermarkt, in welchem es mal wieder warmes Mineralwasser zu kaufen gibt schlaeft Steppe erschoepft ein, da er ja eine unruhige, da mueckenvolle, Nacht verbracht hat. Zudem treten zum ersten mal Magenkraempfe bei ihm auf. Nachdem wir uns dann endlich wieder zur Weiterfahrt aufgerafft haben will Quincys Schaltwerk nicht mehr. Also wird dies zerlegt. Schoene Sache, denn in Rostov meinte Quincy es etwas zu gut mit dem Oel, wer schon mal eine Kette in der Hand hatte, weiss was wir meinen. Ein netter Mensch hatte zum Glueck Wassereimer und Scheuermittel parat. Problem behoben, weiter geht’s. Allerdings nicht viel weiter, denn nach 200 Metern bricht eine Speiche. Dies geschieht direkt neben einem alten Friedhof. Quincy repariert wieder, Steppe fotografiert wieder. Auf dem Friedhof sieht es so aus, als ob die Russen sich mit ihren Toten nicht mehr die groesste Muehe geben. Ein Erdhuegel deutet auf den Toten hin, wobei es auffaellt dass das Kreutz, welches teilweise nur aus zwei Holzlatten besteht, immer so steht, dass das Grab gen Osten ausgerichtet ist. Ein paar Baeume gibt es auch noch und an einem haut sich Steppe den Schaedel ein. Gegen Abend wollen wir in einem Cafe etwas essen und setzen uns zu drei Polizisten, welche uns einladen wollen und nach einem kurzen Gespraech uns die ganze Stadt, Bela Kalitva, zeigen wollen und sagen dass wir unbedingt bei einem Freund uebernachten muessen. Das Essen bezahlen wir dann doch selbst, stellen die Raeder bei dem Freund unter, haben ein schlechtes Gefuehl dabei und auf geht’s zur Denkmaltour. Wir gurken zu sechst in einem Minilada durch den Ort, wobei wir auf der hinteren Sitzbank halb uebereinandersitzen. Mittlerweile stellt sich heraus, dass die meisten ehemalige Offiziere Russlands sind und es deshalb erlaubt ist so Auto zu fahren. An einem Denkmal wird der selbstgebrannte Schnaps, Gurken und Brot herausgeholt, wobei dies nicht der letzte Schnaps war, den wir heute verdruecken mussten. Zu fortgeschrittener Stunde einem weiteren Essen und Wodkas musste Quincy gegen alle Offiziere  im Armdruecken antreten. Zum Glueck waren sie nicht sauer als sie allesamt verloren. Stattdessen ging es in den Garten wo ein paar Feldbetten auf die Herren der Schoepfung warteten. Sehr angenehm, wenn da nicht Steppes Mueckenproblem waere...

 

Tkm

84,4

Zeit h netto

5.26

Æ-km/h

15.5

km/h max

50.5

km ges

6157

Wind

çç

Straßenbelag

2-

Profil

îì

Temp ° C

35

Stimmung

2-

Defekte

Quincys Schaltung,Speichenbruch

 

 

Stationen:Schachti,Bela Kalitva


quincys sonnenblumen, maehdrescher, unsere polizistenfreunde, quincy repariert



schlafplatz Morosovsk

Donnerstag 11

Donnerstag 11.07.2002                    111.Tag

 

Steppe will nix Essen

 

Wurden von der Sonne geweckt oder von den Autos, denn als wir uns umdrehten, bemerkten wir, dass der Garten genau an der Hauptstrasse grenzt. Quincy wechselte die Notfallspeiche gegen eine Normale und Steppe hoerte sich in der Zwischenzeit Horrorgeschichten ueber Kasachstan an.“ Dort leben, wenn da ueberhaupt noch jemand lebt nur Moerder und Verbrecher“, erklaert Anatoli, ein alter Kasachstanveteran und der muss es ja wissen. Ganz so auf die leichte Schulter nehmen wir die Warnungen allerdings auch nicht und machen uns so unsere Gedanken. Etwas spaeter, nachdem wir uns von allen dreimal verabschiedet hatten machte man uns klar, dass wir bis zur naechsten Polizeistrassenkontrolle begleitet werden, damit wir dort problemlos durchkommen. An der Kontrolle wartet die Polizei schon auf uns und bietet uns an, uns bis Wolgograd im Polizeiwagen zu fahren. Wir lehnen dankbar ab und amuesieren uns darueber, dass wir im Moment wichtiger sind als die Kontrolle der Autos. Obwohl dies wirklich notwendig waere, da uns auf dem Weg dorthin ein Autoreifen ueberholte, der von einem Auto stammte, welches mit seiner Achse gerade ein paar Meter hinter uns auf der Erde herumkratzte. Haben diesmal nur wenig Gegenwind, kommen ganz gut voran, doch Steppe hat immer mehr Magenprobleme und fuehlt sich auch aufgrund des fehlenden Schlafs ein wenig schlapp. Dazu kommt noch satter Durchfall. Wir moegen mittlerweile keine suessen Getraenke mehr. Wer schon mal warme Cola getrunken hat, kann dies vielleicht nachvollziehen und irgendwas hindert die Leute wohl daran, diese in den durchaus vorhandenen Kuehlschrank zu stellen. Fuer Leute, die Steppe etwas besser kennen ereignet sich heute etwas Unglaubliches: Steppe hat kaum noch Hunger und weist Nahrungsmittel ab!

 

Tkm

91,6

Zeit h netto

4.36

Æ-km/h

19.6

km/h max

47

km ges

6247

Wind

ç

Straßenbelag

2-

Profil

ìî

Temp ° C

35

Stimmung

2-

Defekte

%

 

 

Stationen: Bela Kalitva, Scholochovsk, Morosovsk


gruppenfoto mit polizei, schlafplatz ohne dach, pausenhaltestelle m21



schlafplatz Surovikino

Freitag 12

Freitag 12.07.2002                112.Tag

 

Waldbraende

 

Koennen beide einigermassen schlafen. Quincy schlaeft draussen, Steppe im Zelt. Heute allerdings in sicherer Umgebung an einem Haus in Morosovsk zum ersten Mal ohne Ueberzelt. Uns faellt auf, dass man fuer ein Brot umgerechnet 15 Cent bezahlt. Dann geht’s los. Wir wuenschen uns Gegenwind, aber nur, damit der Sturm endlich aufhoert. Der ist ziemlich heftig. Uns geht’s nicht so besonders und die Waldbraende, die bei der Hitze an der Tagesordnung sind, koennen uns auch nicht aufmuntern. Erfrischung gibt’s durch eine Frau, die uns unterm Gartenschlauch duschen laesst. Essen so was, wie ne Frikadelle mit Kartoffelbrei in Ketchup gebadet. Ziemlich eklige Angelegenheit. Zelten an einem Haus, das in einer Duenenlandschaft steht, die auch locker in Daenemark sein koennte.

 

Tkm

98.84

Zeit h netto

5.4

Æ-km/h

17.45

km/h max

38.5

km ges

6348

Wind

ççç

Straßenbelag

3

Profil

ìî

Temp ° C

30

Stimmung

3

Defekte

%

 

 

Stationen:Morosovsk, Sternichovski, Surovikino



schlafplatz wolgograd hotel

Samstag 13

Samstag 13.07.2002              113.Tag

 

Wolgograd

 

Sind fuer unsere Verhaeltnisse recht frueh auf und starten um 9.00 Uhr nach Wolgograd.

An den Windverhaeltnissen hat sich natuerlich nichts geaendert. Kommen nur sehr muehsam voran und rechnen so langsam die Stunden bis Wolgograd hoch. Wenn wir konstant durchfahren werden wir es schaffen, aber lustig wird es bestimmt nicht. Spasseshalber haben wir die Teil-km auf unserem Tacho mal mitlaufen lassen und festgestellt, dass so ein Weizenfeld mal so locker, ohne irgendeine Baumhecke als Unterbrechung, an die 10 km erreichen kann. In der anderen Richtung reicht das Feld bis zum Horizont, wobei die Maehdrescher wie kleine Ameisen aussehen. An einer Quelle erfrischen wir uns und essen kurze Zeit spaeter eine komplette Wassermelone. Fahren ca. 80 km vor Wolgograd ueber den Don. Wir riechen zum ersten Mal seit Bulgarien wieder den Duft von Nadelholz. Ueberall nur Sandboden und ein Pinienwald. Nach 10 km ist auch diese seltene Laune der Natur vorbei und es geht wieder munter durch Steppen und Weizenfelder weiter. An einer Tankstelle fischen wir unsere Wasservorraete auf und beobachten wie ein Auto mittels eines Gummiseils, welches vielleicht einen cm Durchmesser misst, abgeschleppt werden soll. Diese Aktion schlaegt natuerlich fehl und das Band knallt mit voller Wucht auf die Windschutzscheibe..... Dafuer erreichen die Eisenbahnzuege hier eine erstaunliche Laenge. Zwei km sind hier keine Seltenheit, wobei sie aber immer noch ein wenig schneller als wir durch die Landschaft kriechen. Abends haben wir es dann geschafft, wir sind in Wolgograd, ehemals Stalingrad, ehemals Zarasim angekommen. DAAD-Lektor Thomas Kampling, den wir doch so gerne noch getroffen haetten, ist schon nach Deutschland abgereist, ist halt Ferienzeit an der Uni, hat uns noch ein Hotelzimmer reserviert und wir schlafen nach einer Dusche etwas geschafft in einem richtigen Bett ein. Dafuer noch mal danke Thomas, obwohl wir dich viel lieber getroffen haetten, aber vielleicht koennen wir das ja mal in Berlin nachholen.

 

Tkm

144.19

Zeit h netto

7.54

Æ-km/h

18.25

km/h max

41.7

km ges

6492

Wind

ççç

Straßenbelag

3

Profil

ìî

Temp ° C

34

Stimmung

3

Defekte

%

 

 

Stationen:  Surovikino, Kalad am Don, Wolgograd


der einzige schatten unterm schild, wolgograd anfang, mann als anhalter



schlafplatz wolgograd privatwohnung

Sonntag 14

Sonntag 14.07.2002- Donnerstag18.07.2002          114.- 118.Tag

 

Pause in Wolgograd

 

Heute sind wir mit Olga verabredet, welche mit Thomas zusammenarbeitet. Sie erzaehlt uns, dass sie eine Art Verein gruenden wollen um die Beziehungen zwischen Deutschen und Russen zu intensivieren. Olga hilft uns bei vielen Dingen, wie z.B. schnelles Finden einer Bank oder aehnliches. Es ist naemlich gar nicht mehr so einfach hier in irgendeiner Bank Dollar zu bekommen. In jeder Bank sagt man freundlich niet um dann sehr hilfreich uns an eine andere Bank zu verweisen, welche auf jeden Fall Dollar hat. Dort beginnt natuerlich das gleiche Spiel von vorn. Nachdem wir also mit Olga fuenf bis sechs Banken, welche ein paar Kilometer auseinander lagen, abgeklappert hatten, war es dann soweit. Wir besassen wieder Geld. Ein paar Tage spaeter wollten wir von diesem Geld 50 Dollar in Rubel umtauschen, dies ging natuerlich nicht, denn nun kam den Banken der Schein ein wenig zu duenn vor. Als wir einen neueren 10 Dollar Schein zeigten und ihnen erklaeren wollten, dass der andere Schein einfach nur alt ist, wurde dies auch nicht akzeptiert. Man verwies uns einfach wieder an eine andere Bank, aber das Spiel kennen wir ja so langsam. Olga zeigte uns in den letzten Tagen noch ein paar Sehenswuerdigkeiten der Stadt, wobei uns Mutter Heimat, eine 146 m grosse Statue, die auf dem Stalingrader Schlachthuegel steht, und das Kriegsmuseum am meisten beeindruckt haben. Im Museum haetten wir locker den ganzen Tag verbringen koennen. Wann bekommt man schon mal die Chance die Schlacht um Stalingrad aus russischer Sicht mitzuerleben. Dieses Museum ist echt lohnenswert und lehrreich und sollte hier in Wolgograd auf jeden Fall besucht werden. Originale wie Panzer, Flugzeuge, Flaggeschuetze, deutsche Dokumente usw. sind dort sowie die Nachstellung der Stalingrader Schlacht auf einem 360 Gradpanorama zu bestaunen. Durch Olga bekamen wir immer tolle Hintergrundinformationen, fuer die wir sehr dankbar sind. Heute, wir haben mittlerweile Donnerstag, haben wir dann unsere Ortlieb-Wassersaecke erhalten, die endlich, nachdem sie kreuz und quer durch Russland geschickt worden sind, den Weg nach Wolgograd gefunden haben. Morgen kann es dann endlich wieder weitergehen und wir duerfen wohl wieder Autofahrer bestaunen, die ohne Windschutzscheibe, aber dafuer mit Taucherbrille ausgeruestet, hier durch die Gegend fahren. Hitzetechnisch gesehen ist dies bestimmt angenehm, wir fragen uns nur, wie dies im Winter aussieht, wo man hier statt 40 C+ im Schatten die gleichen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt hat. Wir hoffen, dass wir dies hier nicht mehr erleben muessen, andererseits haben wir aber auch gehoerigen Respekt vor der Wuestensteppe, die uns bald begegnet. 


denkmaeler, olga unsere dolmetscherin, fliegermuseum, zerbombte muehle



schlafplatz rachinka

Freitag 19

Freitag 19.07.2002                119.Tag

 

Bei 30 Grad Celsius im dicken Sack

 

Wir stehen, man soll es nicht fuer moeglich halten, um 6.30 Uhr auf, da wir noch Fototermine mit Lenin, Mutter Heimat, Auf Leben und Tod und noch einigen Panzern haben und das gute Licht ausnutzen muessen, welches wir bei diesen Objekten leider nur morgens haben. Olga hilft uns netterweise dabei und so kann man mal oefter uns beide auf einem Bild „bestaunen“. Bei unserem Termin mit den Panzern moechten zwei huebsche Russinnen, dass wir mit ihrer Kamera ein Bild zu viert machen. Das machen wir natuerlich gerne, doch vorher muss Quincy noch irgendwie eine Ortliebtasche an das Panzerkanonenrohr befestigen. Keine leichte Sache, doch irgendwann hing die Tasche und auch Steppe, der die Szenerie zu einer kleinen Fotosession umfunktionierte hatte seinen Spass. Danach geht es endlich los. Wir fahren in Richtung Kasachstan. Zwar ein wenig angeschlagen, denn Steppes Erkaeltung hat sich ein wenig verschlimmert, aber immerhin. Wir ueberqueren die Wolga und schon sind wir mittendrin, in der unendlich weiten Steppenlandschaft. Wir machen heute ein wenig frueher Schluss mit dem Radeln und um 8.00 Uhr liegt Steppe, uebrigens bei immer noch 30°C, im dicken Schlafsack und pennt.

 

Tkm

79.11

Zeit h netto

4.45

Æ-km/h

16.65

km/h max

31.8

km ges

6571

Wind

çç

Straßenbelag

2

Profil

è

Temp ° C

32

Stimmung

4

Defekte

%

 

 

Stationen: Wolgograd, Bolschski, Rachinka


mutter heimat und auf leben und tod, quincy auf einem panzer


Samstag 20

Samstag 20.07.2002              120.Tag

 

Steppe immer schwaecher

 

Steppe hat es richtig erwischt. Er ist total verschnupft und braucht im Laufe des Tages den gesamten Taschentuchvorrat auf. Die Tuecher sind eigentlich fuer andere Angelegenheiten gedacht, aber was will man machen. Hoehere Gewalt eben. Wir schaffen Nachschub und kaufen am Magazin, das ist so was wie ein Minimarkt, eine Rolle Klopapier, welche bei Steppes Verbrauch aber auch nicht lange halten soll. Waehrend des gesamten Tages sehen wir nur eine Kurve. Ganz schoen trist. Dafuer fligen hier aber riesige Grasballen, wie Luftballons durch die Luft, woran man ermessen kann, wie hier die Windverhaeltnisse sind. Eines koennen wir sagen, die Grasballen flogen nicht in Fahrtrichtung. In einer kleinen Bushaltestelle wollen wir Rast machen und gesellen uns zu einer Omi, die hier einen Eimer Aprikosen verkaufen will. Wie lange die hier wohl schon sitzt? Kernobst ist fuer Steppe aber leider verboten und so erfreuen wir uns lieber an einer Flasche eisiges Mineralwasser. In Bikovo, einem kleinen Dorf an der Wolga wollen wir naechtigen und finden bei Karpa und Sascha Unterschlupf. Oxana, eine Nachbarin die in Wolgograd studiert und Kinderaerztin werden will, nimmt Steppe mal als Praxiserfahrung, sozusagen als grosses Kind und besorgt ein paar Medikamente.

 

Tkm

86,58

Zeit h netto

4.17

Æ-km/h

20.16

km/h max

27.1

km ges

6658

Wind

çç

Straßenbelag

3+

Profil

è

Temp ° C

30

Stimmung

3

Defekte

%

 

 

Stationen:Rachinka, Bikovo